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Praxisbeispiel | Demenzfreundliche Kommune
Demenz-Hilfenetzwerk Gera

Die Kommunalverwaltung als wichtige Partnerin von Anfang an dabei

Die Menschen dort erreichen, wo sie leben, arbeiten, einkaufen – das ist Beate Malinowsky wichtig: „Die Kommune ist der Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger als Nachbarn, politische Entscheidungsträgerinnen, als Arbeitgeber oder als zivilgesellschaftliche Akteure die Lebensbedingungen direkt beeinflussen.“ Malinowsky arbeitet als Sucht- und Psychiatrie-Koordinatorin im Amt für Gesundheit und Versorgung bei der Stadt Gera. Ein Teil ihrer Arbeit ist es, das Demenz-Hilfenetzwerk Gera zu steuern und die Leistungen der Akteure vor Ort aufeinander abzustimmen: Unterstützung im Alltag, medizinische Hilfe, Pflege, Wohnangebote oder Angebote zur Teilhabe an Kunst und Kultur.

Mehr als 30 Partnerinnen und Partner arbeiten im Netzwerk zusammen. Darin vereinen sich Dienstleister, Vereine und Institutionen aus den Bereichen Betreuung, Pflege, Medizin und Freizeit mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, über soziale und medizinische Angebote zu informieren und diese aufeinander abzustimmen. Das Leitbild des Hilfenetzwerkes setzt sich aus den Zielen und Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie zusammen. Diese hat die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern, Kommunen, Pflege- und Gesundheitswesen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft entwickelt, um das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu erleichtern.

Entstanden ist das Demenz-Hilfenetzwerk Gera aus dem Projekt „Demenzfreundliche Kommune: Was vom Gestern übrigbleibt“. Es wurde 2013 und 2014 von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Beate Malinowsky entwickelte gemeinsam mit Menschen mit Demenz, Angehörigen, Mitarbeitenden aus Pflege und Sozialwesen, mit Ärztinnen und Schauspielern Angebote zu Unterstützung, Information und Teilhabe: für Menschen mit Demenz, für ihre Angehörigen – und für alle Menschen in Gera. Denn demenzfreundliche Kommune heißt auch, dass alle Bürgerinnen und Bürger erfahren, was Demenz bedeutet und warum Menschen mit Demenz sich manchmal besonders verhalten. Sie lernen, wie sie wertschätzend mit diesen Menschen umgehen.

Um die entstandenen Strukturen erhalten und weiter ausbauen zu können, bewarb sich das Netzwerk als Lokale Allianz und erhielt von 2014 bis 2016 die Fördergelder vom Bund. „Es hilft sehr, dass das Netzwerk von Anfang an von der Sozialdezernentin der Stadt Gera, Frau Wanzar, unterstützt wurde und in die integrierte Sozialplanung aufgenommen wurden. Nur so konnte die Basis für eine kontinuierliche und akzeptierte Netzwerkarbeit geschaffen werden“, sagt die Koordinatorin Malinowsky. Dadurch könne sich das Demenz-Netzwerk nun für verschiedene Fördertöpfe bewerben, beispielsweise für das Thüringer „Landesprogramm Solidarisches Zusammenleben“ oder für Förderprogramme des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

Das Demenz-Hilfenetzwerk Gera hat einen Wegweiser mit Unterstützungsangeboten und Ansprechpersonen in Gera veröffentlicht, der laufend aktualisiert wird. Um die Menschen vor Ort zu erreichen, organisiert es beispielsweise Aktionen und Vorträge in der Woche um den Welt-Alzheimertag im September oder in der „Thüringer Woche der pflegenden Angehörigen“. Zum Angebot des Netzwerks gehören außerdem vielfältige Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger und für Gruppen aus der Stadtgesellschaft: den Einzelhandel, die Polizei, die Feuerwehr oder die Stadtverwaltung.

„Es ist schön zu sehen, welche Früchte unser Netzwerk trägt. Uns ist es gelungen, für das Thema in der Stadt zu sensibilisieren und Hemmschwellen abzubauen. Die Hilfsangebote werden gut angenommen, weil wir die Menschen mit einer Demenzerkrankung ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Sie sind Menschen wie du und ich und erhalten in Gera die Möglichkeit, zu 100% an der Gesellschaft teilzunehmen“, blickt Frau Malinowski optimistisch auf die bisherigen Ergebnisse des Netzwerkes.   

Träger
Stadtverwaltung Gera/Amt für Gesundheit und Versorgung

Kontakt
Beate Malinowsky
Telefon: 0365-838-3594
E-Mail: Malinowsky.Beate@gera.de

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2014-2016

Netzwerk

  • Alzheimer Gesellschaft Thüringen
  • Ambulanter Pflege- und Sozialdienst pro balance
  • Amt für Gesundheit und Versorgung / Stadtverwaltung Gera
  • AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen
  • Betreuungsstelle / Stadtverwaltung Gera
  • Caritasverband für Ostthüringen
  • Demokratischer Frauenbund / Landesverband Thüringen
  • ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger
  • GBG Bestattungen
  • Geraer Heimbetriebsgesellschaft
  • Geraer Wohnungsbaugesellschaft „Elstertal“
  • Kunstschule Gera
  • Ländliche Erwachsenenbildung Thüringen
  • Landesseniorenbeauftragte des Freistaates Thüringen
  • Logopädie Katrin Zein
  • Rehabilitations-Zentrum Stadtroda / Tagesstätte Gera
  • Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige und Demenzkranke
  • Seniorenbeauftragte der Stadt Gera
  • Servicestelle der Generationen / Stadtverwaltung Gera
  • Sozialamt / Stadtverwaltung Gera
  • Sozial- und Pflegeberaterinnen und -berater
  • SRH Hochschule für Gesundheit Gera
  • SRH Wald-Klinikum Gera (Psychiatrie und Neurologie)
  • Stadtverwaltung Gera / Dezernat Soziales
  • Suchthilfe und Suchtprävention Neustart gGmbH
  • Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales Gesundheit, Frauen und Familie
  • Verein Gästeführer Region Gera
  • Wohngenossenschaft „Neuer Weg“
  • Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Gera
Beate Malinowsky, Jana Karl, Jule Rada und Antje Pelzel stehen auf dem Marktplatz in Gera.
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