Zum Hauptinhalt

Praxisbeispiel | Gesundheitliche Versorgung
Orientierung für Menschen mit Demenz im Krankenhaus

In Seehausen, einem malerischen Städtchen zwischen Hamburg und Berlin, wird umgedacht. Seit der demografische Wandel Veränderungen im Gesundheitswesen fordert, hat sich das Agaplesion Diakoniekrankenhaus in Seehausen mit anderen Einrichtungen vernetzt. Auch intern hat es sich auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgerichtet.

„Wichtig ist die ganzheitliche Sicht auf den Patienten. Das ist die Basis des Konzeptes „demenzsensibles Krankenhaus“, erklärt Frau Hannelore Rexroth. Sie koordiniert die Lenkungsgruppe der AGAPLESION gAG in Frankfurt. Hier wird die Ausrichtung aller dazugehöriger Häuser auf Demenz und Delir vorangetrieben.

Das Krankenhaus in Seehausen hat diese Idee zur Chefsache erklärt und bereits umfangreiche Erfahrungen bei der Umsetzung gemacht. Der Weg der Patientinnen und Patienten durch den Krankenhausablauf wird so gesteuert, dass dabei kognitive Einschränkungen schon bei der Aufnahme erkannt werden und die Patientinnen und Patienten eine entsprechende Behandlung erfahren. Denn: Jede veränderte Situation ist neu für Menschen mit Demenz. Darauf reagieren sie mit der Suche nach Vertrautem, um sich zu orientieren. Gibt es nichts, was sie wiedererkennen, entstehen Angstzustände. Diese stellen für die Behandlung der betreffenden Patientinnen und Patienten vielfach eine große Herausforderung dar. In Seehausen geht man präventiv vor. Speziell eingerichtete Bereiche bieten Menschen mit Demenz Orientierungsanker: Verschiedenfarbige Wände, große Zeit- und Datumsanzeigen und Beschilderungen gehören hier zur Ausstattung. Das Personal ist entsprechend geschult. Mahlzeiten werden statt am Bett, gemeinschaftlich in Wohnküchen eingenommen.

Doch zu einem demenzsensiblen Krankenhaus gehört sehr viel mehr als eine separate Station. Die gesamte Struktur eines Hauses muss darauf aufgebaut werden. Und die Patientinnen und Patienten müssen entsprechend eingeordnet werden. Dafür gibt es besondere Fragebögen. Zeigt die Patientin oder der Patient hierbei Auffälligkeiten, werden Angehörige hinzugezogen, um Fragen zum allgemeinen Verhalten zu beantworten. Liegt schließlich eine Einstufung oder Diagnose vor, müssen alle Disziplinen sehr eng zusammenarbeiten.

„Die verschiedenen Abteilungen stimmen sich noch genauer ab. Ärzte richten ihre Sprech- und Diagnosezeiten danach aus und wir vermeiden Wartezeiten“, erklärt Frau Maria Theis, Geschäftsführerin des AGAPLESION DIAKONIEKRANKENHAUS in Seeshausen. Die Patientinnen und Patienten mit Demenz werden von ehrenamtlichen Mitarbeitenden durch den Krankenhausablauf begleitet. Zwischen den Untersuchungen und Behandlungen bietet diese Person dem Menschen mit Demenz die entsprechende Orientierung.

Doch genauso wichtig wie der richtige Umgang im Krankenhaus ist die Versorgung danach. Den Übergang in den Alltag erleichtert ein gut funktionierendes und lebendiges Netzwerk, wie es in Seehausen und Umgebung mittels Fördergelder der Lokalen Allianzen vorangetrieben wurde. Das Krankenhaus ist an ein Netzwerk aus Beratungsstellen, Ämtern, Pflegediensten und -einrichtungen, Seniorenheimen und Interessengemeinschaften angebunden. Ein Case-Manager sorgt schon im Krankenhaus mit einem interdisziplinären Team dafür, dass die Versorgung nach dem Klinikaufenthalt gesichert ist. Angehörige werden vor der Entlassung umfassend beraten, erfahren, welche Versorungsmöglichkeiten es gibt, wie sie eine Pflegestufe beantragen und wo sie sich mit anderen Angehörigen austauschen können. So gestaltet sich die Rückkehr in den Alltag ohne Versorungslücke. Eine enorme Entlastung für Angehörige und Betroffene.

Ein demenzsensibles Krankenhaus, wie das in Seehausen, wirkt Überforderungen des Personals entgegen, bietet Betroffenen und Angehörigen Sicherheit während eines Klinikaufenthaltes und damit allen Patientinnen und Patienten im Haus eine gesundmachende Atmosphäre.

Träger
AGAPLESION DIAKONIEKRANKENHAUS SEEHAUSEN gGmbH, Dr. Albert Steinert Platz 1, 39615 Seehausen

Ansprechpersonen
AGAPLESION DIAKONIEKRANKENHAUS in Seehausen
Maria Theis, Geschäftsführerin, Tel.: 039386 - 6231, E-Mail: maria.theis@dkhseehausen.de

Ansprechperson AGAPLESION gGmbH
Hannelore Rexroth, Tel.: 069 - 4608570, E-Mail: Hannelore.rexroth@agaplesion.de

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2016-2018

Netzwerkpartner

 

Vogelperspektive: Das Personal des Krankenhauses hält ein Schwungtuch mit Logo der Agaplesion gAGDemenzbegleiterin in einem gelb gestrichenen Patientenzimmer. Auf einem Rollwagen sind Spiele zum GedächtnistrainingBlick in ein gelb gestrichenes Patientenzimmer, das auch durch Bilder an der Wand Orientierung gibt Blick in ein Patientenzimmer, dessen Wand durch eine Wandillustration und Fotos optisch gestaltet ist
zum Seitenanfang