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Praxisbeispiel
Ein Chor für Menschen mit und ohne Demenz

„Für uns soll´s Rote Rosen regnen“  tönt es durch den Saal, wenn in Trier Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen erheben. Seit 2013 singen hier Menschen mit und ohne Demenz zusammen in einem Chor, richten Konzerte aus und nehmen Auftritte bei öffentlichen Ereignissen wahr. „Wir versuchen über diese Choraktivität an Menschen heranzukommen, die bisher mit Demenz nicht so viel Berührungspunkte hatten“, erklärt Projektleiterin Uschi Wihr. Und ihr Konzept geht auf.

Angefangen hat alles beim gemeinsamen Singen in einer der örtlichen Tagesgruppen für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Mit der Unterstützung einer erfahrenen Musikgeragogin wurde ein ganzes Konzertprogramm einstudiert. Während die Gäste der Tagesgruppe weiterhin wie gehabt in ihren Gruppenstunden musizierten, übten Sängerinnen und Sänger ohne Demenz zeitgleich in separaten Proben am Konzertprogramm. Von ihrem Auftritt erfuhren die Sängerinnen und Sänger mit Demenz erst kurz vor dem Gang auf die Bühne. Was für ein Erfolg als der gemischte Chor vor 300 Zuhörenden Schlager, Evergreens und moderne Songs erklingen ließ! Die Frage nach dem Konzert „Und jetzt sagen Sie uns mal, wer hier eine Demenz hat und wer nicht!“, konnte nicht beantwortet werden. Nach diesem ersten Auftritt war schnell klar: Das könnte ein Weg sein, das Thema Demenz in Trier anders in die Öffentlichkeit zu bringen. Seitdem singen und muszieren in den allwöchentlichen Proben Menschen mit und ohne Demenz zusammen.

Die Bedenken, Menschen mit Demenz könnten nur Lieder singen, die sie von früher kennen, hat sich schnell als unbegründet herausgestellt. Offensichtlich unterstützt die musikalische Aktivierung des Gehirns die Neuverknüpfung von Langzeiterinnerungen mit emotional bedeutenden Ereignissen, die neu hinzugewonnen werden.

Zum großen Erfolg des Projektes hat zweifelsfrei die wertschätzende und motivierende Art der Chorleiterin beigetragen und ihre Überzeugung, dass Musik Menschen erreicht und verbindet. Ihr ging es nie darum, den richtigen Ton zu treffen, sondern darum, mit dabei zu sein und Freude zu haben.

Dieses außergewöhnliche Chor-Projekt hat sich in Trier bewährt als Instrument mit dreifacher Wirkung: Proben, Konzerte und Auftritte machen Menschen mit Demenz wieder zu einem aktiven Teil der Gesellschaft. Außerdem können Menschen ohne Demenz mitsingen oder unterhaltsame Musik genießen. So erfahren sie, dass sich Ängste oder Vorbehalte gegenüber Menschen mit Demenz in der entsprechenden Begegnung auflösen. Auch die Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern in der Stadt und im Landkreis Trier-Saarburg hat sich durch die Choraktivitäten deutlich intensiviert, freut sich Uschi Wihr. Heute kommen sogar Bewohnerinnen und Bewohner der örtlichen Altenheime ins Demenzzentrum, um die Chorproben nicht zu verpassen. „Das wäre früher nicht denkbar gewesen“, erinnert sich die Projektleiterin. „Hier herrschten große Berührungsängste von beiden Seiten, wenn es um Demenz geht.“ Unglaublich ist der Effekt, der sich bei einem öffentlichen Auftritt bei den Besucherinnen und Besuchern mit Demenz einstellt. „Da erheben sich beim Applaus Menschen vom Stuhl, die sonst eigentlich gar nicht mehr aufstehen können“, erinnert sich Frau Wihr.

Dass Musik verbindet, sagt uns schon der Volksmund. Dass Musik Menschen mit Demenz wieder mehr an der Gesellschaft teilhaben lässt, das zeigt der Chor „Für uns soll´s Rote Rosen regnen“ in Trier bei jeder wöchentlichen Probe im Demenzzentrum. 

Träger
Demenzentrum e.V., Engelstraße 31, 54292 Trier

Kontakt
Uschi Wihr, Telefon: 0651 - 460 47 47, E-Mail: info@demenzzentrum-trier.de
Musikgeragogin: Friederike Schwemmlein

Erster öffentlicher Auftritt
2013

Förderzeitrum Lokale Allianzen
2016 - 2018

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