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Praxisbeispiel
Lebendiger Treffpunkt Kinosaal

Silberfilm® heißt das Projekt, das gemeinsame Kinoerlebnisse für Menschen jeden Alters schafft. Zwei städtische und zwei ländliche Programmkinos in Bayern öffnen regelmäßig ihre Saaltüren für  Besucherinnen und Besucher in höherem Alter und deren Begleitungen. „Wir haben ein Film- und Teilhabeangebot für Menschen plus-minus-hundert entwickelt.“, sagt Projektleiterin Sabine L. Distler. Doch nicht alle Filme sind gleichermaßen für Jung und Alt geeignet. Was in München und Hollfeld, in Nürnberg und Hartenstein über die Leinwand flimmern darf, muss dafür ganz spezifische Auswahlkriterien erfüllen.

Die Grundlage dieses Projektes bildet die langjährige Arbeit der Medien-Gerontologin Distler. In ihrer Arbeit mit Demenzkranken ist die Frage entstanden, welche Medien für diese Zielgruppe sinnvoll und wirksam sind. Dabei musste sie feststellen, dass es weder ein Medienkonzept für alte Menschen oder Menschen mit Demenz gibt, noch wissenschaftlich ermittelte Anhaltspunkte existieren, was Menschen in dieser Lebensphase interessiert. „Es ist furchtbar, wenn Menschen, die ihr Leben hauptsächlich liegend verbringen aus dem Fernseher immer nur dieses Gestreite hören. Da braucht man sich nicht wundern, wenn der Mensch da unruhig wird“, sagt Frau Distler. Mit Hilfe von bayerischen Forschungsgeldern und in Zusammenarbeit mit Demenz Support Stuttgart hat die Wissenschaftlerin im stationären Pflegesetting ihre Studien zur Mediengerontologie initiiert. Innerhalb dieses Projekts wurde herausgearbeitet, was ein Film oder eine Fernsehsendung mitbringen muss, um die Zielgruppe der über 80-Jährigen anzusprechen. Hier geht es um die richtige Filmmethodik: Dramaturgie, Kameraführung, Tonspur, Schnitt und Erzähltechnik spielen dabei eine entscheidende Rolle. Aus dieser Erkenntnis heraus ist die Idee entstanden, Kinonachmittage anzubieten, die unterhalten, berühren und die Bedarfe von Seniorinnen und Senioren berücksichtigen.

Heute lockt Silberfilm® ältere Menschen mit und ohne Demenz mit ihren Angehörigen oder Pflegekräften heraus aus ihren vier Wänden und rein in die Kinosäle. Doch statt Senioren-Kino wird hier echtes Filmvergnügen für Jung und Alt geboten. Daher rät Sabine L. Distler dazu, den für Betroffene und Angehörige abschreckenden Begriff Demenz in der Projektkommunikation zu vermeiden. „Die Bedarfe der Menschen mit Demenz sind in der Filmauswahl inkludiert“, betont die Filmkennerin und kann inzwischen von vielen Kinonachmittagen berichten, bei denen über Generationengrenzen hinweg gelacht und geweint wurde. „Da passiert es, dass der Mann wieder nach der Hand seiner Frau greift, was er sonst ja nicht mehr macht.“ Und weil die Macherinnen von Silberfilm® davon überzeugt sind, dass dieses Angebot nicht nur in Bayern funktioniert, arbeiten sie daran, ihr Wissen digital anderen Netzwerkern zur Verfügung zu stellen. In Tutorials und Webinaren soll künftig erklärt werden, wie ein Silberfilmprojekt aufgebaut und umgesetzt werden kann, wie man Programmkinos dazu bewegt, sich einer neuen Zielgruppe zu öffnen, wie die Mobilität gewährleistet werden kann und welche Rahmenbedingungen zu einem gelungen Kinoerlebnis beitragen. Und damit ist Silberfilm® noch nicht am Ende angelangt. „Es ist nicht ausgeschlossen,“ so Distler „dass wir eines Tages einen eigenen Silberfilm produzieren.“

Träger
Curatorium Altern gestalten gGmbH / Kulturnetzwerk Silberfilm, c/o Im Kulinario, Höflaser Str. 3 a, 91235 Hartenstein

Kontakt
Sabine L. Distler, Telefon: 09152 - 92 88 400, E-Mail: kontakt@silberfilm.info

Schirmherrin / Schirmherren
Sophie Rosentreter (Demenz-Aktivistin, Regisseurin), Ismail Sahin (Regisseur) und Uli Gaulke (Regisseur)

Netzwerkpartner und Partnerkinos

Medienevaluation 2014 - 2015

Projektstart 2016

Neu in 2019
Kommunale Begegnungsorte im Landkreis Erlangen-Höchstadt

Neu ab  2020
Cincinnati München

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