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Praxisbeispiel | Entlastung von Angehörigen
Lokale Allianz Mit-einander Hochrhein

Kommunikation auf Augenhöhe in Demenzpatenschaften

„Kommunikation auf der Gefühlsebene ist eine elementare menschliche Fähigkeit, auf dieser Ebene erreichen sich Menschen mit und ohne kognitive Einschränkungen – die Seele wird nicht dement.“ Das sagt Kommunikationstrainerin Beate Harmel. Sie und ihr Mann Fried Schüle haben zusammen mit Pfarrerin Andrea Kaiser von der Evangelischen Kirchengemeinde Kadelburg die Lokale Allianz Mit-einander Hochrhein im baden-württembergischen Landkreis Waldshut gegründet. Alle drei sind in ihren Familien selbst von der Diagnose Alzheimer betroffen.

Ihr Anliegen: Räume schaffen, in denen sich Menschen mit Demenzdiagnose, ihre Angehörigen sowie Bürgerinnen und Bürger auf Augenhöhe begegnen. Menschen mit Demenz erfahren: Ihr seid willkommen. Angehörige erkennen: Ihr seid nicht allein, Bürgerinnen und Bürger erleben: Ein mit-einander ist möglich.

Seit 2013 bieten Beate Harmel und Fried Schüle im „Steinbeis-Institut für Kommunikation“ in Waldshut Kurse an, die pflegende Angehörige in der Kommunikation auf Augenhöhe unterstützen. Dabei fiel dem Ehepaar auf: Angehörige müssten mehr erfahren über die Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort. Und die Öffentlichkeit müsste mehr wissen über Demenz und den Umgang mit Menschen mit dieser Diagnose. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde bewarb sich das Ehepaar erfolgreich um die Förderung als Lokale Allianz.

Raum für Begegnungen auf Augenhöhe bietet „Friedas Gartencafé“, ein einmal im Monat durchgeführter Austausch in einem umfriedeten Garten mitten in der Stadt. Hier treffen sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, das Miteinander bereichert das Leben aller: Atempause und Erholung, Anregung für die Sinne, Genuss und Freude für Leib und Seele.

Kommunikation auf Augenhöhe ist die Kernkompetenz, in der sowohl die Freiwilligen der Lokalen Allianz als auch die Angehörigen von Betroffenen und alle am Thema Interessierten geschult werden. Diese Kurse sind für die Teilnehmenden kostenlos.

Außerdem organisiert die Lokale Allianz „Demenzpatenschaften“. Einen anderen Menschen zu begleiten ist eine tiefgreifende Erfahrung. Die Demenzpatenschaft kann ganz unterschiedlich gestaltet werden, vom gelegentlichen Telefonieren über Spazierengehen bis hin zu regelmäßigen Besuchen ist alles möglich – das entscheidet vor allem die Demenzpatin oder der Demenzpate selbst. Wohin die Reise geht, bestimmen die individuellen Möglichkeiten.

Auch Schulen oder Schulklassen können Patenschaften, z.B. für das Pflegeheim im Quartier, übernehmen. Lernen durch Erleben und die Zusammenarbeit mit Jugendlichen ist ein wichtiger Aspekt bei mit-einander Hochrhein, es macht Spaß und ist nachhaltig.

Demenzpatinnen und -paten sind Begleitende und werden begleitet, es gibt regelmäßige Treffen und die Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen durch Schulungen in Kommunikation auf Augenhöhe zu erweitern und sich untereinander auszutauschen.

Außerdem organisiert das Netzwerk Veranstaltungen wie einen sogenannten Pflegecampus in der Woche der Demenz 2022 für Mitarbeitende aus Pflegeeinrichtungen und von Sozialverbänden, für Pflegeschülerinnen und -schüler sowie Ehrenamtliche. Damit wollen die Aktiven das Wissen über Demenz und über den Umgang mit Menschen mit Demenz noch stärker hineintragen in die Pflegeeinrichtungen und Initiativen vor Ort.

Träger
Evangelische Kirchengemeinde Kadelburg

Kontakt
Beate Harmel/Fried Schüle
Telefon: 07751-700959
E-Mail: beate.harmel@t-online.de
E-Mail: friedschuele@gmail.com

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2021-2023

Netzwerk

  • Stoll Vita Stiftung
  • Pflegestützpunkt Waldshut 
  • Evangelische Kirchengemeinden Kadelburg und Klettgau
  • Justus-von-Liebig-Schule
  • Nachbarschaftshilfe Klettgau Idee-Verein
  • Bürgergemeinschaft Küssaberg
  • Alemannenschule Wutöschingen
  • Steinbeis-Transfer-Institut Kommunikation
Im Garten steht eine Flipchart. Darauf ist ein Begrüßungsplakat für Friedas Gartencafé Garten neben der Kirche. Menschen sitzen an Tischen
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