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Praxisbeispiel
Selbsthilfe für junge Menschen mit Demenz

Einmal im Monat treffen sich in Magdeburg Menschen mit Demenz. Sie tauschen Erfahrungen aus, geben sich gegenseitig Tipps, machen Sport oder gemeinsame Ausflüge. Was diese Gruppe von vielen anderen Gesprächskreisen unterscheidet: Die Anwesenden sind jünger als 65 Jahre.

„Wir haben hier jemanden, der ist 36 Jahre alt. Bis zum Alter von sechzig Jahren ist alles dabei“, erzählt Sonja Roden, die Leiterin der Gruppe. Die meisten Betroffenen besuchen die Gruppe mit ihrer Partnerin bzw. mit ihrem Partner oder anderen Angehörigen. Doch das ist manchmal gar nicht so einfach. Denn Ehefrauen und Ehemänner, Partnerinnen und Partner oder Freunde stehen noch mitten im Berufsleben. „Wer noch bei der Arbeit ist, wenn wir uns treffen, kommt einfach nach“, erklärt Frau Rohden. „Dann holen wir die Betroffenen mit dem kostenfreien Fahrdienst ab.“

Um das Projekt „Selbsthilfegruppe für junge Menschen mit Demenz“ realisieren zu können, hat die Stadt Magdeburg mit ihren Demenz-Netzwerkpartnern Fördergelder im Rahmen der Lokalen Allianzen beantragt. „Davon konnten wir Pressemitteilungen veröffentlichen, haben Flyer und Handzettel gedruckt“, erinnert sich Frau Rohden und ergänzt: „Tatsächlich haben sich darüber Menschen bei uns gemeldet.“

Zu einem ersten Kennenlernen ist die zehnköpfige Gruppe gemeinsam mit einem Ergotherapeuten und einer Pflegeberaterin in ein Tagungshaus in Arendsee in der Altmark gefahren. Es gab Gespräche, Spaziergänge, Beratungs- und Bewegungsangebote. Auch die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen. Alles in ruhiger, angenehmer Atmosphäre. Hier ist schließlich der Entschluss gereift, regelmäßige Treffen zu ermöglichen. Seitdem stellen die örtlichen Tagesbetreuungseinrichtungen dafür abwechselnd ihre Räumlichkeiten zur Verfügung.

„Das Programm wird inzwischen ganz auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angepasst“, verrät Frau Rohden. Da ist beispielsweise der Partner einer Betroffenen, der darüber nachdenkt, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen oder weniger zu arbeiten, um für seine Frau da sein zu können. Insbesondere bei diesem Thema hatten die Gruppenmitglieder viele Fragen, so dass zum nächsten Treffen ein Rentenberater eingeladen wurde. Frau Rohden erklärt dazu: „Was so eine Arbeitszeitverkürzung alles mit sich bringt, kann ja auch für andere über kurz oder lang relevant sein.“

Es gibt viele Betroffene in der Stadt Magdeburg, die das Gruppenangebot noch nicht erreicht hat. Auch Kinder sind darunter. Darum wird die Projektleiterin nicht müde, weitere Pressemeldungen zu verfassen und die Flyer mit dem bereits bekannten Bild der Pusteblumen zu verteilen. Außerdem sei es wichtig, so sagt die Gruppenleiterin, dass man über die Krankheit und das Gruppenangebot mit Freunden und Bekannten spricht. „Mund-Propaganda ist immer noch die beste Werbung. So kommen viele Fälle überhaupt erst an die Oberfläche“, sagt Frau Rohden.

Auch Angehörige, die sich nicht sicher sind, ob eine dementielle Erkrankung vorliegt, können sich jederzeit an einen der Netzwerkpartner wenden. Dank einer intensiven Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachärzten, kann im Bedarfsfall auch kurzfristig eine zuverlässige Diagnose eingeholt werden.

Noch ist Sonja Rohde bei der Stadt Mageburg beschäftig, aber sie weiß jetzt schon: Wenn sie in ein paar Jahren in den Ruhestand geht, wird sie die Selbsthilfegruppe trotzdem weiter begleiten. Ihre Erfahrungen sind eindeutig: Niedrigschwellige Möglichkeiten zum Austausch sind eine wichtige Unterstützung und große Bereicherung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.  

Träger
Landeshauptstadt Magdeburg
Der Oberbürgermeister
Sozial- und Wohnungsamt / Seniorenpolitik
Wilhelm-Höpfner-Ring 4
39116 Magdeburg

Kontakt
Karin Sonja Rohden, Telefon: 0391- 540 34 31, E-Mail: sonja.rohden@soz.magdeburg.de

Netzwerkpartner

Projektstart 2014

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