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Praxisbeispiel
Sinnliche Kunstbegegnung

In den Städten des Ruhrgebiets ermöglichen zwölf Museen Demenzkranken einen besonderen Kunstgenuss. Unter dem Motto RuhrKunstMuseen sinnlich erleben bieten sie spezielle Führungen an. Federführend ist das Lehmbruck Museum in Duisburg. Das Haus hat eine Vorreiterrolle, seit es 2007 als erstes Museum in ganz Europa solche Führungen ins Programm nahm. „Die RuhrKunstMuseen waren 2014 das erste Netzwerk in diesem Bereich. Inzwischen gibt es in sehr vielen Museen in Deutschland Führungen für Menschen mit Demenz“, erzählt Sybille Kastner, Kunstvermittlerin am Lehmbruck Museum.

Dies ist nicht zuletzt ihrer Arbeit zu verdanken. Sybille Kastner ist Mitautorin einer Studie der MSH Medical School Hamburg zu diesem Thema, die 2016 erschien und seither als Basis für Schulungen professioneller Kunstvermittler dient. Bei den Führungen für Demenzkranke steht das Erleben von Kunst im Mittelpunkt: „Die Besucher dürfen, soweit es konservatorisch erlaubt ist, zum Beispiel bestimmte Skulpturen ertasten. Aber es geht auch darum, auf einer ästhetischen Ebene sinnlich zu assoziieren, indem man zum Beispiel fragt, ob eine Farbe warm oder kalt ist“, erzählt Sybille Kastner. Außerdem wird auf ein langsames Sprechtempo der Kunstvermittler, ein störungsfreies Umfeld und vieles mehr geachtet.

In den RuhrKunstMuseen gehören die Führungen für Demenzkranke längst zum selbstverständlichen Repertoire. Der Schlüssel zum Erfolg liege darin, eng mit sozialen Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten, sagt die Kunstvermittlerin: „Während es eine lange Tradition der Zusammenarbeit von Museen mit Schulen und Kindergärten gibt, muss man die Kontakte zu Alteneinrichtungen oder Selbsthilfegruppen intensiv pflegen, sich mit ihnen austauschen und aufeinander zugehen.“

Die Angebote der RuhrKunstMuseen könnten sich in Zukunft noch erweitern. Denn das Lehmbruck Museum erprobt seit einiger Zeit etwas Neues: Ein offenes Atelier, in dem Demenzkranke mit ihren Partnern oder Freunden künstlerisch tätig sein können. „Das wird sehr gut angenommen, weil dabei die Sprache weniger im Vordergrund steht“, erklärt Sybille Kastner. „Denn für Menschen mit Demenz ist es auch eine Barriere, sich sprachlich auszudrücken.“

Träger
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Düsseldorfer Straße 51, 47051 Duisburg

Kontakt
Sybille Kastner, Telefon: 0203 – 283 2195, E-Mail: sybille.kastner@lehmbruckmuseum.de

Im Lehmbruck Museum fand auch ein Erasmus+ gefördertes Projekt zum europäischen Austausch von Museumsfachleuten über Angebote für Menschen mit Demenz statt, mehr Informationen erhalten Sie ebenfalls auf der Internetseite des Lehmbruck Museums.

Netzwerkpartner

Projektstart 2014

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