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Praxisbeispiel
Lokale Allianz in Solingen nimmt Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick

Mit viel Bewegung und Öffentlichkeitsarbeit für Demenz sensibilisieren

Foto: Senioren sitzen in einem Stuhlkreis in einem Raum und heben die Arme in die Höhe.
© Lokale Allianz Solingen

Interview und Text: Mirjam Ratmann | August 2026

Solingen ist von kultureller Vielfalt geprägt: Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, insbesondere mit türkischen, italienischen, syrischen, ukrainischen oder polnischen Wurzeln. Die Lokale Allianz „Räume schaffen“ setzt sich deshalb dafür ein, Menschen mit Demenz aus diesen Bevölkerungsgruppen gezielt anzusprechen. Die Förderung durch ein Bundesprogramm läuft noch bis Ende 2026.

Migrantische Communities waren schwer zu erreichen

Der Bedarf in diesen Communities an Angeboten für Menschen mit Demenz war und ist da. Das sahen Anja Haßelkuß und Chrysanthi Stratopoulou von der Pflege- und Wohnberatung der Stadt Solingen bereits, als sie ein vorheriges Projekt in Solingen durchführten.

Doch es fiel der Lokalen Allianz trotzdem schwer, die angestrebte Zielgruppe für ihr neues Projekt zu erreichen. „In migrantischen Communities funktionieren klassische Werbemaßnahmen häufig nicht“, sagt Stratopoulou. Viele Informationen werden dort über WhatsApp weitergegeben. Die Kommune kann diesen Weg aus Datenschutzgründen jedoch nicht nutzen. Deshalb sind persönliche Kontakte besonders wichtig. Weil das Projekt im ersten Jahr nur langsam anlief, entschied sich die Allianz schließlich, das Angebot für alle Menschen zu öffnen.

Über Demenz aufklären und sensibilisieren

„Unser Ziel ist es, Menschen in Solingen für Demenz zu sensibilisieren“, sagt Stratopoulou. Dafür haben sie Räume geschaffen – entsprechend auch der Name des Projektes. Einmal im Monat gibt es im Mehrgenerationenhaus eine Informationsreihe rund ums Thema Demenz, zum Beispiel zur Vorsorgevollmacht, der Diagnose Demenz und wie man damit umgeht. Damit Angehörige diese Veranstaltung wahrnehmen können, gibt es nebenan einen Raum mit Angeboten für Menschen mit Demenz. 

Zugleich hat sich eine Arbeitsgemeinschaft Demenz gegründet, die die Gesellschaft für den Umgang mit Menschen mit Demenz sensibilisieren möchte. Ziel ist es, mehr Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, wie Betroffene im Alltag unterstützt werden können. „Was definitiv noch ausbaufähig ist, ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit – etwa in Supermärkten, Apotheken, Blumenläden oder Banken“, sagt Haßelkuß. Mitarbeitende und andere Kundinnen und Kunden sollten erkennen können, wenn eine Person mit Demenz orientierungslos wirkt oder Unterstützung benötigt. Dann gehe es darum, ruhig auf die Person zuzugehen, Hilfe anzubieten und sie nicht mit der Situation allein zu lassen.

Gemeinsam in Bewegung bleiben

Gemeinsam mit dem Regionalbüro „Alter, Pflege und Demenz Bergisches Land“ nahmen Netzwerkpartnerinnen und -partner in der Woche der Demenz 2025 zudem an der Tour Demenz teil: einer zweitägigen Radtour von Solingen nach Remscheid und Wuppertal, mit der ein Zeichen für Aufklärung, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben mit Demenz gesetzt werden sollte. Außerdem bot die Allianz ein Pound-Fitness-Programm direkt vor dem Rathaus an.

Auch sonst steht Bewegung im Zentrum der Allianz: So gibt es eine Tanzgruppe von italienischen Frauen, die sogar auf dem Solinger Stadtfest auftritt, und Wanderungen, unter anderem mit Alpakas. „Ich bin sehr froh, dass wir Menschen dazu aktiviert haben, sich mehr und gemeinsam zu bewegen“, sagt Stratopoulou und ergänzt: „Die Menschen wollen nicht nur über Demenz sprechen. Sie wollen rausgehen und etwas anderes sehen. Sie brauchen etwas zum Lachen, um ihre Probleme zu vergessen und sich durch die Gemeinschaft zu stärken – und das funktioniert.“

Auch die kleinen Erfolge feiern

Denn sie bekommen stets positive Rückmeldungen. „Wir werden dann häufig direkt gefragt, wann der nächste Termin ist“, sagt Stratopoulou. Um passende Angebote zu gestalten, ist die Allianz eng im Austausch mit Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. „Es bringt nichts, sich im Büro Angebote auszudenken, wenn das nicht in die Realität derjenigen passt, für die sie gedacht sind.“

Auch die Lokale Allianz musste lernen, dass nicht jede Idee sofort angenommen wird. „Für unsere erste gemeinsame Wanderung gab es im Vorfeld großes Interesse. Am Ende sind aber deutlich weniger Menschen gekommen als erwartet“, sagt Haßelkuß. Solche Erfahrungen gehörten dazu. „Man darf sich davon nicht entmutigen lassen, sondern muss dranbleiben und es einfach noch einmal versuchen.“ Ihre Lehre daraus: Die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und auch kleine Erfolge wertschätzen.

 

Angaben zum Netzwerk

Träger
Klingenstadt Solingen
Walter-Scheel-Platz 1 
42651 Solingen

Kontakt Koordination
Chrysanthi Stratopoulou 
E-Mail: c.stratopoulou@solingen.de

Telefon: 0212 2902636 

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2024-2026

Gründungsjahr des Netzwerkes
2023

Netzwerk

  • Klingenstadt Solingen (Stadtdienste Soziales, Gesundheit, Integration)
  • Diakonie Bethanien
  • Diakonisches Werk Solingen
  • Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz (Region Bergisches Land)
  • Solinger Sportbund e.V.

 


Foto: Senioren sitzen in einem Stuhlkreis in einem Raum und heben die Arme in die Höhe.
© Lokale Allianz Solingen
Stuhlgymnastik bei der Informationsveranstaltung
Foto: Eine Gruppe Menschen mit Schirmen und Regenkleidung stehen um eine Person, die auf ein Schild an einem Baum deutet.
© Lokale Allianz Solingen
Wandern bei jedem Wetter!
Foto: Eine Gruppe Menschen wandert mit Alpakas an der Leine unter Bäumen.
© Lokale Allianz Solingen
Alpakawanderung in Solingen

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