Interview und Text: Mirjam Ratmann | Januar 2026
Eine demenzfreundliche Kommune zu sein – das hat sich die Stadt Bensheim, und vor allem das Netzwerk Demenz Bensheim, welches seit 2013 besteht, zum Ziel gesetzt. Seit 2021 koordiniert die Diplom Sozialpädagogin Stephanie Gescheidle das Netzwerk. Damit ist sie die erste Ansprechpartnerin für Menschen mit Demenz und deren Angehörige, wenn es darum geht, Anlaufstellen in der Stadt zu finden, wie beispielsweise passende Ärztinnen oder Ärzte und Betreuungsangebote.
Mit Demenzlotsen Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern
Seit 2024 ergänzt das Ehrenamtsprojekt „Demenzlotsen“, das in Kooperation mit dem Caritas Zentrum Franziskushaus ins Leben gerufen wurde, das Angebot des Netzwerks. Das Projekt „Demenzlotsen“, welches durch das Bundesseniorenministerium im Bundesprogramm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ gefördert wird, beruht auf dem Engagement von sechs Ehrenamtlichen. Menschen mit Demenz und deren Angehörige können die Demenzlotsen kontaktieren, wenn sie eine Rat gebende Person brauchen. Die Lotsen vermitteln schließlich den Kontakt zu professionellen Hilfsangeboten. Einige der Ehrenamtlichen haben früher selbst Angehörige mit Demenz betreut und können ihre Erfahrungen nun an andere Angehörige weitergeben.
Neben den Demenzlotsen besteht das Demenznetzwerk aus 25 Partnerinnen und Partnern unterschiedlicher Organisationen und Träger. Viermal im Jahr lädt Gescheidle, als Vertreterin der Kommune, zu einem Netzwerktreffen ein. Die Treffen finden jeweils bei einem anderen Netzwerkpartner oder einer Netzwerkpartnerin statt, die Demenzlotsen sind ebenfalls eingeladen. „Unser Ziel ist es, die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Angehörigen zu verbessern und Angebote zu vernetzen“, sagt Gescheidle.
Menschen mit Demenz sichtbar machen
Das Netzwerk bietet einerseits Veranstaltungen an, die das Thema Demenz aus der Tabuzone holen und mehr in die Öffentlichkeit bringen sollen. Andererseits werden auch immer wieder Teilhabeprojekte initiiert, um Betroffene weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und ihnen Freude zu bringen. So konnten Menschen mit Demenz im Sommer 2025 gemeinsam mit ihren Angehörigen an einem Sportfest teilnehmen. Zusätzlich gab es im Winter 2025 ein Kunstprojekt, bei dem mit Spachtelmasse und Aquarellfarben Kunst auf die Leinwand gebracht wurde. Anschließend wurden die Bilder öffentlichkeitswirksam ausgestellt. „Das hat den Betroffenen Mut gemacht und sowohl sie als auch die Angehörigen miteinander ins Gespräch gebracht“, sagt Gescheidle. Zum Weltalzheimertag 2024 gab es ein Mitmachkonzert, bei dem ein Kinderchor engagiert wurde und Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zum Mitsingen eingeladen wurden. „Unsere Philosophie ist: Diese Menschen sind Teil unserer Gesellschaft und wir müssen sie mit ins Leben reinholen.“
Zu Beginn ihrer Demenzerkrankung seien die meisten Betroffenen noch recht fit und könnten aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Viele von ihnen hätten in dieser frühen Phase aber noch nicht den Mut, sich gegenüber fremden Personen zu öffnen. Gerade im Anfangsstadium könnten die Demenzlotsen gut als Vermittler an Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner dienen. „Wenn die Demenz weiter fortgeschritten ist, müssen wir an einen Pflegedienst oder an ein Heim verweisen“, sagt Gescheidle.
Demenzlotsen als Begleiterinnen und Begleiter etablieren
Auch wenn sich erst wenige Hilfesuchende bei den Demenzlotsen gemeldet haben, soll das Projekt nach dem Förderzeitraum weiterlaufen. „Ich halte es für wichtig, mutig zu bleiben und es weiter auszuprobieren, gerade wenn man weiß, dass der Bedarf da ist.“ Besonders gefreut habe Gescheidle sich darüber, dass sich inzwischen Nachbarstädte nach dem Projekt Demenzlotsen erkundigt hätten und überlegen, etwas Ähnliches umzusetzen.
Für dieses Jahr haben sich Gescheidle und ihre Kooperationspartnerin vom Caritas Zentrum Franziskushaus zum Ziel gesetzt, das Angebot der Demenzlotsen weiter auszubauen. „Wir möchten, dass die Demenzlotsen nicht ausschließlich Ratgeber, sondern auch Begleiter sind. Also, beispielsweise mit der betroffenen Person mal spazieren gehen oder ihr vorlesen.“ Trotz aller Herausforderungen seien die Ehrenamtlichen sehr engagiert, sagt Gescheidle. Den Projektverantwortlichen sei wichtig, die Sorgen und Ängste der Ehrenamtlichen ernst zu nehmen und mit entsprechenden Schulungen „gegenzusteuern“, sodass sich die Demenzlotsen im Umgang mit den Betroffenen sicher fühlten. „Und wenn wir dann in diesem Jahr noch mehr Anfragen bekommen, bin ich sehr zuversichtlich.“
Träger
Stadt Bensheim
Team Familie, Jugend, Senioren und Vereine
Berliner Ring 89
64625 Bensheim
Kontakt Koordination
Stephanie Gescheidle
Telefon: 06251 86991 62
E-Mail: stephanie.gescheidle@bensheim.de oder senioren@bensheim.de
Förderzeitraum Lokale Allianzen
2024-2026
Gründungsjahr des Netzwerkes
2013
Netzwerk
- AWO Sozialzentrum Bensheim
- Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Bergstraße
- Caritas Betreuungsverein im Kreis Bergstraße e.V.
- Caritasheim „St. Elisabeth“ Tagespflege
- Caritas Sozialstation Heppenheim Bensheim Lorsch
- Caritas Zentrum Franziskushaus – Mehrgenerationenhaus Bensheim
- compass private Pflegeberatung GmbH
- Deutsche Rotes Kreuz Kreisverband Bergstraße e.V.
- Diakoniestation Bensheim gGmbH
- Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald
- Haus Johannes Heppenheim
- Home Instead – zu Hause betreut Bergstraße (ZHB) GmbH
- Hospiz-Verein Bergstraße e.V.
- KommMit – mobiler Pflegedienst GbR
- Kreisseniorenbeirat Bergstraße
- Kreis Bergstraße – Fachstelle Leben im Alter
- Kommunale Seniorenbeirätin, Senioren- und Behindertenbeauftragte
- Neurologie und Psychiatrie am Hospital, Praxis Stephanie Karge und Kollegen
- Neurologie und Psychiatrie, Therapiegemeinschaft Dr. med. Gauß u.a.
- Pflegedienst Pusteblume
- Pflegedienst SERVICETEAM Odenwald mobil GmbH
- Regionale Diakonie Südhessen – Seniorenberatung Bergstraße
- Selbsthilfekontaktstelle im Kreis Bergstraße
- Senioren-Residenz Bensheim GmbH – Villa Medici
- Vermisstefinden e.V.








