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Praxisbeispiel | Demenzfreundliche Kommune
Demenz-Hilfenetzwerk Gera

Die Kommunalverwaltung als wichtige Partnerin von Anfang an dabei

Foto: Eine Gruppe Menschen steht in einem Flur zwischen Stellwänden
© Stadt Gera

Die Menschen dort erreichen, wo sie leben, arbeiten, einkaufen – das ist Beate Malinowsky wichtig: „Die Kommune ist der Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger als Nachbarn, politische Entscheidungsträger:innen, als Arbeitgeber:innen oder als zivilgesellschaftliche Akteur:innen die Lebensbedingungen direkt beeinflussen.“ Malinowsky ist die Abteilungsleiterin für Betreuung, Gesund heitsförderung und Prävention im Amt für Gesundheit und Versorgung der Stadt Gera. In ihrem Team ist die Sucht- und Psychiatriekoordinatorin, Annette Zaumsegel, für die Koordination des Geraer Demenz-Netzwerkes ver antwortlich. Ein Teil ihrer Arbeit ist es, das Geraer Demenz-Hilfenetzwerk zu steuern und die Leistungen der Akteur:innen vor Ort aufeinander abzustimmen: Unterstützung im Alltag, medizinische Hilfe, Pflege, Wohnangebote oder Angebote zur Teilhabe an Kunst und Kultur.

Mehr als 20 Partner:innen arbeiten im Netzwerk zusammen. Darin vereinen sich Dienstleistende, Vereine und Institutionen aus den Bereichen Betreuung, Pflege, Medizin und Freizeit mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, über soziale und medizinische Angebote zu informieren und diese aufeinander abzustimmen. Das Leitbild des Hilfenetzwerkes setzt sich aus den Zielen und Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie zusammen. Diese hat die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern, Kommunen, Pflege- und Gesundheitswesen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft entwickelt, um das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu erleichtern.

Entstanden ist das Demenz-Hilfenetzwerk Gera aus dem Projekt „Demenzfreundliche Kommune: Was vom Gestern übrigbleibt“. Es wurde 2013 und 2014 von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Beate Malinowsky entwickelte gemeinsam mit an Demenz Erkrankten, Angehörigen, Mitarbeitenden aus Pflege und Sozialwesen, mit Ärzt:innen und Schauspieler:innen Angebote zu Unterstützung, Information und Teilhabe: für Menschen mit Demenz, für ihre Angehörigen – und für alle Menschen in Gera. Denn demenzfreundliche Kommune heißt auch, dass alle Bürgerinnen und Bürger erfahren, was Demenz bedeutet und warum Menschen mit Demenz sich manchmal besonders verhalten. Sie lernen, wie sie wertschätzend mit diesen Menschen umgehen.

Um die entstandenen Strukturen erhalten und weiter ausbauen zu können, bewarb sich das Netzwerk als Lokale Allianz und erhielt von 2014 bis 2016 die Fördergelder vom Bund. „Es hilft sehr, dass das Netzwerk von Anfang an von der Sozialdezernentin der Stadt Gera, Frau Wanzar, unterstützt wurde und in die integrierte Sozialplanung aufgenommen wurden. Nur so konnte die Basis für eine kontinuierliche und akzeptierte Netzwerkarbeit geschaffen werden“, sagt Malinowsky. Dadurch könne sich das Demenz-Hilfenetzwerk unter anderem auch für verschiedene Fördertöpfe bewerben, beispielsweise für das Thüringer „Landesprogramm Solidarisches Zusammenleben“ oder für Förderprogramme des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

Das Demenz-Hilfenetzwerk Gera hat einen Wegweiser mit Unterstützungsangeboten und Ansprechpersonen in Gera veröffentlicht, der laufend aktualisiert wird. Um die Menschen vor Ort zu erreichen, organisiert es beispielsweise Aktionen und Vorträge in der Woche um den Welt-Alzheimertag im September oder in der „Thüringer Woche der pflegenden Angehörigen“. Zum Angebot des Netzwerks gehören außerdem vielfältige Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für interessierte Bürger:innen und für Gruppen aus der Stadtgesellschaft: den Einzelhandel, die Polizei, die Feuerwehr oder die Stadtverwaltung.

„Es ist schön zu sehen, welche Früchte unser Netzwerk trägt. Uns ist es gelungen, für das Thema in der Stadt zu sensibilisieren und Hemmschwellen abzubauen. Die Hilfsangebote werden gut angenommen, weil wir die Menschen mit einer Demenzerkrankung ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Sie sind Menschen wie du und ich und erhalten in Gera die Möglichkeit, zu 100% an der Gesellschaft teilzunehmen“, blickt Frau Malinowski optimistisch auf die bisherigen Ergebnisse des Netzwerkes zurück.   

Träger
Stadtverwaltung Gera/Amt für Gesundheit und Versorgung

Kontakt
Annette Zaumsegel 
Sucht- und Psychiatriekoordinatorin 
Telefon: 0365-838-3596 
E-Mail: zaumsegel.annette@gera.de

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2014-2016

Netzwerk

  • Alzheimer Gesellschaft Thüringen 
  • Ambulanter Pflege- und Sozialdienst pro balance 
  • Amt für Gesundheit und Versorgung / Stadtverwaltung Gera 
  • ASB Regionalverband Ostthüringen e.V. 
  • AWO Stadtverband Gera e.V. / Förderverein „Zeitgeschenke“ der AWO-Seniorenresidenz „Marktkarree“ 
  • Betreuungsstelle / Stadtverwaltung Gera • Caritasverband Ostthüringen e.V. 
  • Demokratischer Frauenbund / Landesverband Thüringen e.V. 
  • Ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger 
  • GBG Bestattungen 
  • Geraer Heimbetriebsgesellschaft 
  • Projekt „AGATHE – Älter werden in der Gemeinschaft“ 
  • Rehabilitations-Zentrum Stadtroda / Tagesstätte Gera 
  • Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige und Demenzkranke 
  • Seniorenbeauftragter der Stadt Gera 
  • Seniorenbeirat 
  • Servicestelle der Generationen / Stadtverwaltung Gera 
  • Sozialamt / Stadtverwaltung Gera 
  • SRH Wald-Klinikum Gera 
  • Stadtverwaltung Gera / Dezernat Soziales 
  • Suchthilfe und Suchtprävention Neustart gGmbH 
  • Verein Gästeführer Region Gera 
  • Wohngenossenschaft „Neuer Weg“ 
  • Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Gera
Foto: Beate Malinowsky, Jana Karl, Jule Rada und Antje Pelzel stehen auf dem Marktplatz in Gera.
© Demenz-Hilfenetzwerk Gera
Aktionstag in der Woche der Demenz 2021 auf dem Geraer Marktplatz. V.l.n.r.: Beate Malinowsky, Jana Karl, Jule Rada und Antje Pelzel
Foto: Eine Gruppe Menschen steht in einem Flur zwischen Stellwänden
© Stadt Gera
Woche der Demenz 2024