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Praxisbeispiel
Die Lokale Allianz in der Prignitz bricht das Tabu Demenz auf dem Land

Wie KI-Tools die Arbeit mit Menschen mit Demenz erleichtern können

 

Eine Frau spielt an einem großen Bildschirm
©Lokale Allianz Prignitz-Wittstock

Interview und Text: Mirjam Ratmann | Juni 2026

Wenn man im ländlichen Raum ein Angebot für Menschen mit Demenz aufbaut, hilft vor allem eins, um es bekannter zu machen: Mundpropaganda. So war es zumindest bei der Lokalen Allianz unter der Koordination der Volkssolidarität Prignitz-Ruppin in Wittenberge (Prignitz), die seit 2024 vom Bundesprogramm gefördert wird. Trotzdem sei es zu Beginn schwer gewesen, Menschen für Demenz zu sensibilisieren, sagt Koordinatorin Cornelia Eichler-Körtge. „Viele Menschen wollten nichts davon wissen. Sie meinten, niemanden mit Demenz zu kennen.“ 

Niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit Demenz und deren Angehörige 

Nun, knapp zwei Jahre später, sind die Menschen in der Region offener. „Sie haben gemerkt, dass es doch einige Betroffene in ihren Reihen gibt und es gut ist, eine Anlaufstelle für sie zu haben.“ Damit das funktioniert, sei es wichtig, von Beginn an auch Gemeinden, Kommunen und Ämter anzusprechen und als Partner zu gewinnen, sagt Eichler-Körtge. „Diesen Rückhalt braucht man, ansonsten ist es schwer, das Netzwerk sichtbar zu machen.“ Bei den vier Netzwerktreffen, die die Lokale Allianz im Jahr macht, kommen zwischen 20 und 30 Menschen zusammen. Inzwischen verweisen auch Pflegedienste, stationäre Einrichtungen und neurologische Praxen direkt an die Beratungsstelle.

Sowohl für Menschen mit Demenz als auch für deren Angehörige bietet das Netzwerk Beratungen an. Bei „Hilfe-beim-Helfen-Schulungen“ erfahren Angehörige von Menschen mit Demenz mehr über Demenz, erhalten Tipps für den Pflegealltag und zu Entlastungsangeboten. Teilweise kommen die Menschen mit Demenz selbst mit – gerade dann, wenn die Demenz erst im Anfangsstadium ist. „Sie wollen wissen, was mit ihnen passiert, und so lange dabei sein, wie sie den Gesprächen noch folgen können“, sagt Eichler-Körtge. Die Kurse dienen aber auch dem Austausch untereinander. Inzwischen haben sich sogar im Anschluss der Kurse Angehörigengruppen gebildet, die sich einmal im Monat treffen. 

Für die Koordinatorin ist wichtig, dass alle Beteiligten einen niedrigschwelligen Zugang zu der Beratung haben und sich wohlfühlen. „Es geht weniger darum, dass etwas behandelt wird, sondern dass Menschen sich vernetzen. Es geht um ein Miteinander.“ Viele Betroffene würden ihre Gedanken nicht offen mit Familie und Freunden besprechen. „Bei unseren Treffen können sie ihren Sorgen freien Raum geben und sie loslassen.“ 

Gedächtnistraining mit junger Frau mit Demenz

Cornelia Eichler-Körtge bietet noch eine Sportgruppe an, bei der jeder und jede, egal mit welcher Einschränkung, mitmachen kann. Zudem begleitet sie seit zwei Jahren eine Frau, bei der schon mit 30 Jahren Beeinträchtigungen des Gedächtnisses aufgetreten sind. Da es gerade für junge Menschen mit Demenz wenige Angebote gibt, kam die Frau mit ihrer Mutter eines Tages in die Sprechstunde von Eichler-Körtge. „Sie fühlte sich nicht abgeholt, weil sie immer in Runden mit älteren Menschen saß und Gespräche führen sollte, die sie nicht interessierten.“ 

In einer „Gedächtnisstunde“ macht Eichler-Körtge mit ihr Gedächtnistraining oder motorisches Training. Zu Ostern oder Weihnachten bastelten sie Dekoration, um Ausdauer, Feinmotorik und Konzentration zu üben. „Wenn sie das dann zu Hause auspackt, hat sie direkt einen Anhaltspunkt, um ihrer Mutter von dem Tag zu erzählen.“ 

So unterstützt KI die Arbeit der Lokalen Allianz

Der große Stolz der Lokalen Allianz sind zwei digitale Tools, die sie sich dank der Bundesförderung anschaffen konnten: einen Caretable und einen Ichó-Ball. Am Caretable, einem digitalen Aktivitätentisch, kann zum Beispiel Bingo gespielt oder eine (digitale) Erkundungstouren durch Deutschland erlebt werden. Der Ichó-Ball, auch Demenzball genannt, bietet verschiedene Spiele und stimuliert Menschen visuell oder akustisch oder regt sie zur Bewegung an. So kann der Ball beispielsweise Musik oder Tiergeräusche abspielen, vibrieren oder die Farbe wechseln. 

Wie es nach Ende des Förderzeitraums ab 2027 mit der Lokalen Allianz in Prignitz weitergeht, ist noch offen. Eichler-Körtge und ihre Netzwerkpartner bemühen sich um weitere Förderung. Denn „der Bedarf ist gewachsen und es ist sichtbar geworden, wie viele Menschen unterschiedlichen Alters doch betroffen sind.“ 

 

Angaben zum Netzwerk

Träger
Volkssolidarität Landesverband Bandenburg e.V.
Verbandsbereich Prignitz-Ruppin
Poststr. 11
16909 Wittstock

Kontakt Koordination
Cornelia Eichler-Körtge
E-Mail: pflegevorort-wb-pr@volkssolidaritaet.de
Telefon: 015254647237 

Förderzeitraum Lokale Allianzen
2024-2026

Gründungsjahr des Netzwerkes
2024

Netzwerk

  • Gemeinde/ Amt Bad Wilsnack-Weisen
  • Gemeinde/ Amt Karstädt
  • Landkreis Prignitz
  • Lebenshilfe e.V.
  • Mehrgenerationshäuser: Wittenberge/Perleberg
  • Nachbarschaftstreff WG Elbstrom
  • Palliativ-Hospiz Netzwerk Prignitz
  • Pflegedienst AWO
  • Pflegedienst Glücksmomente
  • Pflegedienst Lenz
  • Pflegedienst Stech
  • Pflegedienst Volkssolidarität
  • Stadtbibliothek Wittenberge
  • Stadt Wittenberge
  • Volkssolidarität Verbandsbereich Prignitz-Ruppin
  • Wohnungsbaugenossenschaft Elbstrom Wittenberge

     

Seniorinnen führen Gymnastikübungen in einem Stuhlkreis aus
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Sportangebot „Fit im Alter – Gemeinsam in Bewegung gegen Demenz“
Seniorinnen bewegen sich mit Gymnastikbändern
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Sportangebot „Fit im Alter – Gemeinsam in Bewegung gegen Demenz“
Seniorinnen frühstücken an einem reich gedeckten Tisch
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Nachbarschaftstreff der Wohnungsgenossenschaft Elbstrom in Wittenberge: Themengeleitetes gemeinsames Plauderfrühstück
Eine Frau, verkleidet als Magd, hält einen Korb Blumen in der Hand
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Nachbarschaftstreff der Wohnungsgenossenschaft Elbstrom in Wittenberge: Die Ackerbürgerin Mathilde gibt Einblicke in die Wittenberger Stadtgeschichte
Zwei Frauen führen ein Gespräch am Messestand
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Ausstellung „Pflege im Alltag“: Beim Demenzparcours erleben die Besucherinnen und Besucher, wie sich Menschen mit Demenz in Alltagssituationen fühlen
Menschen spielen digitales Bingo
© Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Bingospielen am CareTable: Einweisung von Netzwerkpartnern
Eine Frau spielt an einem großen Bildschirm
©Lokale Allianz Prignitz-Wittstock
Gedächtnissprechstunde in der Kontakt- und Beratungsstelle: Anwendung des CareTable