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Fachtagung "Beteiligtsein von Menschen mit Demenz – Kunst und Kultur schaffen Zugänge"

Dokumentation der Fachtagung

Immer mehr kulturelle Einrichtungen wie Museen oder Theater sprechen mit ihren Angeboten auch Menschen mit Demenz an. Kulturschaffende und soziale Einrichtungen arbeiten zusammen, um für und mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen neue Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen. Offene Ateliers oder Tanz- und Theaterprojekte eröffnen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen Möglichkeiten des Ausdrucks und des gemeinsamen sinnlichen Erlebens.

Die Netzwerkstelle bot mit der Veranstaltung fachliche Impulse und zeigte anhand von Praxisbeispielen, welchen Beitrag kulturelle Angebote zur Teilhabe von Menschen mit Demenz leisten können.

Programm

Grußworte

Kornelia Folk, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Andreas Burkert, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Mit der Kunst neue Wege gehen: Kommunikation und Interaktion im Museum
Sybille Kastner, Lehmbruck Museum und Teilnehmende aus dem „Offenen Atelier“

Lokale Allianz für Menschen mit Demenz: Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum (Link zum Film)

Zusammenfassung: Angebote für Menschen mit Demenz im Lehmbruck Museum

Podiumsrunde: Kulturelle Orte zu Orten der Teilhabe machen –
Warum gerade Kultur und wie gelingt das?

  • Almuth Fricke, Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung
    im Alter und Inklusion e.V. (kubia)
  • Louisa May, Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.
  • Peter Wißmann, KuKuK-TV, Demenz Support Stuttgart
  • Prof. Dr. Kai Koch, Katholische Stiftungshochschule München

Im Rahmen des Pilotprojekts „Museumserlebnisse für Menschen mit Demenz“ in Brandenburg hat die Kunst- und Kulturvermittlerin Louisa May einen Praxisleitfaden für sinnesorientierte Führungen für Menschen mit Demenz für Museen entwickelt (Leitfaden Museumserlebnisse für Menschen mit Demenz).
Die Erfahrungen im Projekt haben gezeigt, dass ein zentraler Erfolgsfaktor ist, Betroffene bei der Umsetzung von Angeboten für Menschen mit Demenz mit in die Planung einzubeziehen. Die Museen müssen sich öffnen, flexibel und bereit sein, bei der Programmgestaltung von ihren Plänen abzuweichen. Für die Entwicklung neuer Angebote in Museen sei es wichtig, sich mit Organisationen im Bereich Demenz, z.B. Alzheimergesellschaft oder Betreuungsgruppen zu vernetzen. Vorab können so vorhandene Ressourcen wie die Mobilität eingeschätzt werden. Kooperationspartner können dann bei der Umsetzung des Angebots helfen, indem zum Beispiel Fahrdienste vermittelt werden.

Für immobile Menschen oder Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, gibt es auch einen Museumskoffer, im Sinne der Teilhabe ist aber die Ermöglichung eines Museumsbesuchs vorzuziehen. Peter Wissmann bemerkt, dass es bei Schaffung von Teilhabemöglichkeiten immer wieder Stolpersteine gibt. Alleine ein Angebot zu konzipieren reiche nicht aus, es komme immer wieder auf die professionelle Haltung an, Menschen dabei zu unterstützen, sich einbringen zu können. Im von ihm gegründeten Teilhabe-Kanal „KuKuK TV“ kommen Menschen mit Demenz im Rahmen von Reportagen, Interviews und Portraits selbst zu Wort. So wird zum Beispiel in einem Video ein Gospelchor mit Menschen mit Demenz porträtiert. Der Teilhabe-Kanal hat eine eigene Seite auf Youtube (ww.kukuk-tv.de).

Das Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und Inklusion bietet mit seiner Internetseite eine umfangreiche Serviceplattform, die u.a. eine Übersicht zu Fördermöglichkeiten für Kulturangebote und zu Schulungsangeboten im Kulturbereich bereithält. Almuth Fricke berichtet von dem aktiven NRW Netzwerk Demenz und kulturelle Teilhabe, hier können sich interessierte Einrichtungen über Möglichkeiten der Kooperation und Angebotsentwicklung informieren. Wichtig sei auch, dass es eine Willkommenskultur in kulturellen Einrichtungen gäbe, die auch von der Leitung mitgetragen wird.

Kai Koch ist Professor für Musikpädagogik in der sozialen Arbeit und Experte zum Thema Singen im Alter. In der Chorlandschaft seien viele Chorformate, auch für Menschen mit Demenz, leider gar nicht bekannt. Oft stelle sich für den Chorleiter schon die Frage, wo er sich zum Thema Demenz informieren und schulen lassen kann. Beim Aufbau eines Demenzchores, werden Informationen benötigt, wie ein Zugang zur Gruppe geschaffen werden kann. In Chören, in denen Mitglieder an Demenz erkranken, wäre es leider durch fehlende Konzepte und Rahmenbedingungen oft nicht möglich, die Betroffenen weiter teilhaben zu lassen.

Es gelte daher, Informationen in die Chöre reinzubringen oder geeignete Kanäle zu schaffen, um frühzeitig aufklären zu können. Auch gehöre Mut dazu, etwas Neues auszuprobieren. Häufig sind es die Barrieren im Kopf der Umsetzenden, die davor zurück scheuen, dass der Programmablauf zukünftig anders sein müsste.

Im ländlichen Raum sei die kulturelle Infrastruktur weniger gegeben, die Möglichkeit Räume wie Kirchen zu kulturellen Orten zu machen, sei aber genauso vorhanden.

Kleine (Heimat-)Museen könnten zum Beispiel durch neue Angebotsformate auch für Menschen mit Handicap wiederbelebt werden.

„Zu Hause ist´s doch am schönsten!“, Theater Demenzionen, Jessica Höhn und Team

Kultur-Tour: Markt der Möglichkeiten mit Impulsen

1. Das Offene Atelier – ein Konzept, verschiedene Möglichkeiten
Corinna Bernshaus, Kunstschule Werksetzen und Sybille Kastner, Lehmbruck Museum

2. Making Memories. Kunstbetrachtungen in Pflegeeinrichtungen für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen
Sonja Bartscherer, Kunsthalle Bremen

3. Theaterarbeit mit und für Menschen mit Demenz
Jessica Höhn, Theater Demenzionen

4. Kulturbegleiter/innen ermöglichen soziale Erfahrungen im ästhetischen Raum
Jochen Schmauck-Langer, (de)mentia+art

5. Musikalische Angebote für Menschen mit Demenz
Prof. Dr. Kai Koch, Katholische Stiftungshochschule München

6. Kino als Brücke zwischen Generationen
Sabine L. Distler, Curatorium Altern gestalten

7. Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz
Stefan Kleinstück

Verleihung des GERAS-Preises der BAGSO
Rede – Franz Müntefering, Vorsitzender der BAGSO

Podiumsrunde:Kunst und Kultur für alle im Quartier

  • Erpho Bell, Ensemble Freudige Füße
  • Petra Fromm, Cafe Zeitlos: offenes Kulturcafé im MGH / Jugendzentrum in Arnsberg
  • Doris Kreinhöfer, Körber Stiftung
  • Ria Krampitz, Seniorenbüro Speyer

Mit dem Lila Sofa und einem eigenen Logo setzt die Hamburger Kampagne Demenzsensibel ein Zeichen für Demenz. Doris Kreinhöfer berichtet, dass mit dem Logo Orte markiert werden, die auf Menschen mit Demenz eingestellt sind. Die Hürde, Kulturangebote wahrzunehmen sei sehr groß. Seit dem Start der Kampagne 2018 haben sich etwa 50 Orte angeschlossen, darunter viele Hamburger Museen und die Elbphilharmonie. Das Lila Sofa ist ein weiteres Erkennungszeichen der Kampagne, um mit der breiten Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen und für das Thema Demenz zu sensibilisieren. Es kommt auf zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und an weiteren unterschiedlichen Orten, wie der U-Bahn Haltestelle zum Einsatz, um auch mit Menschen oder Kulturanbietern ins Gespräch zu kommen, die bisher noch nicht mit dem Thema Demenz zu tun hatten. Das Ziel ist, dass sich immer mehr Menschen und Orte für Demenz öffnen.

2016 hat sich das Netzwerk Kultur & Demenz unter dem Dach des Seniorenbüros Speyer zusammengefunden. Kulturelle Institutionen, Kunst- und Kulturvermittler sowie stationäre Einrichtungen aus Speyer entwickeln im Netzwerk Angebote für Bürgerinnen und Bürger mit Demenz. Ausgangspunkt war 2015 die Fortbildung „Abenteuer Kultur wagen – Menschen mit Demenz im Museum“, die von der Speyerer Arbeitsgruppe Demenz im Rahmen des Modellprojektes „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ im Seniorenbüro Speyer angeboten wurde. Die Fortbildungen sind die Voraussetzung für die Schaffung eines demenzfreundlichen kulturellen Angebots und werden seit 2016 kontinuierlich kostenlos angeboten. Ria Krampitz berichtet, dass das Netzwerk zunächst mit Vorurteilen zu kämpfen hatte. Über die Vernetzung im Stadtteil und das Thema Demenz konnten aber mit der Zeit auch Förderer und Ehrenamtliche gewonnen werden, die wesentlich zur Umsetzung beitragen.

Das Café ZEITLOS im Mehrgenerationenhaus in Arnsberg ist ein generationenübergreifendes Angebot, in dem Menschen aller Altersgruppen jeden Dienstag die Möglichkeit haben, an offenen und kreativen Workshops teilzunehmen. Jede Woche gibt es ein anderes Kulturangebot und das seit mittlerweile vier Jahren. Die Besucherinnen und Besucher des Cafés können aber auch nur zuschauen und bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen vom Alltag entspannen. Auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen besuchen das Kunst-Café ZEITLOS. Zu den Erfolgsfaktoren des offenen Angebotes zählt Petra Fromm, dass es keine Verpflichtung gäbe, regelmäßig zu kommen, zudem sei eine Anmeldung nicht notwendig und das Angebot sei kostenlos. Dies wird durch die Kooperation mit vielen starken Partnern, wie die Kommune und Kirche, in Arnsberg ermöglicht.

Theaterspiel bietet Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen neue Ausdrucks- und Begegnungsmöglichkeiten. Im September 2018 haben Erpho Bell und Michael Ganß das Projekt „Demenz-Theatersprechstunde“ im Münsterland ins Leben gerufen. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sind eingeladen, Theater zu spielen, dabei gibt es kein richtig oder falsch, alles entsteht im spielerischen Miteinander. Unterstützt wird das Projekt durch das Förderprogramm der Regionalen Kulturpolitik (RKP) des Landes NRW und der LWL-Kulturstiftung. Erpho Bell berichtet, dass es wichtig sei, Türöffner für den Aufbau eines neuen Angebotes zu finden. So könnten zum Beispiel Altenheime sich öffnen und ihre Räume zur Nutzung anbieten oder dauerhaft mit Künstlern kooperieren.

Musikalische Revue, Paul Hombach

Bildergalerie

Kornelia Folk begrüßt die Anwesenden Andreas Burkert begrüßt die Anwesenden Blick ins Publikum: Die Teilnehmenden sitzen in StuhlreihenPaul Hombach am KeyboardSybille Kastner referiertSybille Kastner im Gespräch mit Teilnehmenden aus dem Offenen AtelierZwei Teilnehmende aus dem offenen AtelierZwei Teilnehmende auss dem offenen AtelierPodiumsgespräch auf dem Lila Sofa Theaterstück auf der Bühne: Zwei Personen sitzen am Tisch, eine Person hält einen Wäschekorb in der HandTheaterstück auf der Bühne: Gespräch zwischen zwei DarstellernTheaterstück: Ein Darsteller bittet eine Person im Publikum, einen Rasierspiegel zu haltenTanzende Menschen vor einer SkulpturEine Gruppe von Teilnehmenden schaut einen Film  Eine Gruppe von Teilnehmenden sitzt in einem WorkshopraumSonja Bartscherer referiert in einem WorkshopBlick in einen der WorkshopräumeGruppenteilnehmende im offenen Atelier des Lehmbruck MuseumsFranz Müntefering hält eine Rede anlässlich der Verleihung des GERAS-PreisesFranz Müntefering hält eine Rede anlässlich der Verleihung des GERAS-PreisesFranz Müntefering überreicht den GERAS-PreisAlmuth Fricke hält eine LaudatioJessica Höhn erhält den GERAS-PreisProf. Dr. Theo Hartogh hält eine Laudatio, Franz Müntefering steht neben dem RednerpultGruppenfoto mit allen Preisträgern und Franz MünteferingVier Gesprächspartner im Podiumsgespräch auf der Bühne Blick ins Publikum: Die Teilnehmenden sitzen in StuhlreihenSybille Kastner macht mit Teilnehmenden ein Mobile aus Kleiderbügeln
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